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Roland Ries: „Straßburg wird zum Labor Europas“

Straßburg ist keine Stadt wie jede andere.

Die in ihrer langen Geschichte zwischen zwei Ländern und zwei Kulturen hin- und hergerissene Stadt zieht aus ihrer identitätsstiftenden Karussellfahrt eine besondere Kraft; diejenige einer Stadt, die bei den Konflikten des vergangenen Jahrhunderts einen schweren Tribut zollen musste, aber auch diejenige einer Stadt, die sich an dieser doppelten Einlage stark bereichert hat. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg als Verkörperung eines Europas der Versöhnung und des Friedens auserwählt, erfüllt sie heute gänzlich ihre Berufung als Europahauptstadt der Zukunft.

Über die europäischen Funktionen derselben hinaus – etwa durch die zahlreichen vor Ort präsenten Institutionen – entwickelt sich Straßburg nach und nach zu einem regelrechten Labor Europas.

Nachdem die Stadt dem Rhein lange Zeit ihren Rücken zugekehrt hatte und somit zwischen unseren beiden Ländern eine Art Niemandsland entstanden ist, haben wir beschlossen, Straßburg komplett neu auszurichten und eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas auf den Weg zu bringen. Auf einem 250 Hektar großen Gebiet entstehen 1,5 Mio. Quadratmeter. Unter der Leitung der öffentlichen Société Publique Locale des Deux Rives wird die neue Etappe des Projekts rund um das Hafengebiet, die Coop und die Rheinufer realisiert.

Dieses Gebiet erstreckt sich vom Quartier Heyritz bis nach Kehl (Deutschland) und umfasst mehrere Großbaustellen, von denen sich einige im Projektstatus befinden, andere im Bau sind und wiederum andere bereits realisiert wurden; so etwa der Parc du Heyritz, einer der wenigen Stadtparks, die in den letzten Jahren geschaffen wurden, das Ensemble der Halbinsel Malraux sowie das Éco-Quartier Danube.

Das an eine grenzüberschreitende Tramlinie, die Deutschland in die unmittelbare Nähe Straßburgs rückt, angeschlossene Stadtviertel Deux Rives wird langfristig 20 000 Einwohner zählen. Es handelt sich hierbei um einen völlig neuen Stadtteil, der Wohngebäude am Ufer, das neue Rhéna-Klinikum, ein groß angelegtes Netz an Parks und Promenaden sowie den Standort der ehemaligen Coop Alsace umfasst. Rund um die Coop erfindet sich ein neues Stadtviertel unter einem erfinderischen, solidarischen und nachhaltigen Aspekt. Eine „kooperative Stadtkultur“ soll hier kreative, soziale und solidarische Unternehmen, Wohnungen, umfassende kulturelle Einrichtungen, Freizeiträume und Gastronomiebetriebe sowie in unmittelbarer Nachbarschaft einen Stadtpark im ehemaligen Flussbett des « Petit Rhin » vereinen.

Diese Kontinuität zwischen Kehl und Straßburg steht emblematisch für die freundschaftlichen Beziehungen, die wir zum benachbarten Deutschland pflegen und stellt im weiteren Sinne eine Anpassung an heutige Verhältnisse dar, die unsere Stadt mit ihrer eigenen Geschichte versöhnen soll. Dies ist auch das Ziel des Projekts zur Ausweitung des Unesco-Weltkulturerbes auf die Neustadt. Diese von uns gewünschte Erweiterung demonstriert, dass sich das außergewöhnliche Kulturerbe Straßburgs nicht nur auf die Altstadt Grande-Île beschränkt und dass die von den Deutschen ab 1870 errichtete Neustadt gemeinsam mit ersterer ein außergewöhnliches städtisches Ensemble bildet, wie es für das rheinische Europa – zu dessen Hauptstädten Straßburg zählt – charakteristisch ist.

Durch die Schaffung einer Kontinuität zwischen der Stadt der Geschichte und der Stadt der Zukunft vereint Straßburg von nun an diese beiden Gesichter.

 

Roland Ries

Bürgermeister von Straßburg,

Präsident der öffentlichen Société Publique Locale des Deux-Rives.