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L'Union Sociale © Alexandre Chemetoff

Die Straßburger Museen ziehen in das ehemalige Lagerhaus Union Sociale

Bereits 2018 lancierte die SPL Deux-Rives gemeinsam mit dem Projektplaner Alexandre Chemetoff die Sanierungsarbeiten des ehemaligen Lagerhauses Union Sociale mitten im Stadtviertel Coop. Früher wurden hier die unterschiedlichsten Produkte gelagert – nun wird das alte Lagerhaus in ein Zentrum für Forschung und Konservierung der Museen der Stadt Straßburg umgewandelt. Ende Oktober 2020 konnte das neue und einzigartige Gebäude der Stadt Straßburg schlüsselfertig übergeben werden.

Vom ehemaligen Lagerhaus… 

Anfang der 1950er Jahre benötigte die damals aufstrebende Union des coopérateurs d’Alsace, besser bekannt unter dem Namen Coop Alsace ein neues Lagerhaus für die unterschiedlichsten Waren (Elektrohaushaltsgeräte, Lebensmittel und vieles mehr). Zudem wurden eine Kurzwaren- sowie eine Verpackungsabteilung dort untergebracht. So ließ das Unternehmen 1954 ein neues Gebäude nördlich seines Stammsitzes direkt am Rheinhafen errichten. Dieses Lagerhaus namens Union Sociale wurde zum zentralen Logistikstandort der Coop Alsace, bis das Unternehmen Anfang der 2000er Jahre seinen Betrieb aufgab.

…zum neuen Zentrum für Forschung und Konservierung der Museen der Stadt Straßburg!

Von den ersten Überlegungen bis zur Einweihung waren zehn Jahre für die Planung, Projektierung und die Bauarbeiten notwendig, bevor die ehemals an mehreren Orten der Stadt untergebrachten Sammlungen der zehn Museen der Stadt Straßburg nun zusammengelegt werden konnten. Die Idee bestand darin, Räumlichkeiten zu finden, in denen einige hundert Kunstwerke der Museen der Stadt zentral gelagert, bearbeitet und konserviert werden können.

Auch nachdem mehrere Standorte und die ersten Kostenvoranschläge für einen Neubau unter die Lupe genommen worden waren, blieben zahlreiche Hindernisse für die Verwirklichung des Projekts bestehen. Dies änderte sich, als das Projekt „Museumslagerort“ dem Stadtentwicklungsprojekt im Viertel Coop begegnete.

2015 skizzierte der Architekt, Stadtplaner und Landschaftsarchitekt Alexandre Chemetoff den ersten Entwurf für einen Masterplan. Darin entwickelte er die städtebauliche und architektonische Ausrichtung für die Sanierung des zehn Hektar großen künftigen Coop-Viertels – einem emblematischen Standort des Stadtentwicklungsprojekts Deux-Rives / Zwei-Ufer.

Alexandre Chemetoff verfolgt konsequent den Ansatz, bestehende Gebäude, selbst die vermeintlich unbedeutenden, zu erhalten, und sich dabei von deren ursprünglichem Zweck und den Eigenheiten für die Umgestaltung inspirieren lässt. Genau dieser Ansatz hat es ermöglicht, im Coop-Stadtviertel die ehemaligen Schreinereien Virgule zu Makerspaces und Kunsthandwerks-Ateliers umzugestalten. Ebenso wurde die ehemalige Weinkellerei La Cave à Vins, wo zuvor Weine gelagert, gemischt und abgefüllt wurden, in einen lebendigen Ort des Austauschs verwandelt, in dem Büros, Gastronomie und Veranstaltungsräume ihren Platz finden und der auch den Museen der Stadt Straßburg eine geniale und wirtschaftliche Lösung bietet.

Nach vielen Gesprächen zwischen der Stadt Straßburg, der SPL Deux-Rives und Alexandre Chemetoff beschloss man, das ehemalige Lagerhaus Union Sociale zum neuen Zentrum für Forschung und Konservierung der Museen der Stadt Straßburg umzugestalten. Das ehemalige Logistikgebäude Union Sociale eignet sich nämlich mit seinen zahlreichen Vorzügen perfekt für den neuen Zweck – die Lagerung und Erhaltung von Kunstschätzen.

Einige Voraussetzungen für das Depot waren bereits vorhanden, beispielsweise eine riesige Halle für den Warenein- und ausgang oder ein Lastenaufzug für die Lagerung in den verschiedenen Etagen. Da Kunstwerke besondere Anforderungen an ihre Umgebung stellen, war bei der Sanierung vor allem auf eine Feinsteuerung der Lichtverhältnisse, der Temperatur sowie der Luftfeuchtigkeit zu achten, um optimale Bedingungen für die Konservierung zu schaffen.

Die Sanierungsarbeiten begannen im März 2018 und Ende Oktober 2020 konnte das Gebäude der Stadt Straßburg schlüsselfertig übergeben werden. Nun ist es Zeit für die Einrichtung!

Steckbrief des neuen Gebäudes

Das neue Zentrum für Forschung und Konservierung der Museen verfügt über eine Fläche von 8.200 Quadratmetern, die sich auf das Kellergeschoss, das Erdgeschoss und 3 weitere Obergeschosse verteilen. Insgesamt werden 80 Prozent der Fläche für die Lagerung der rund 400.000 Werke (Gemälde, Skulpturen, Spielzeuge, Textilien usw.) aus den Sammlungen der städtischen Museen verwendet. Dies entspricht 40 Prozent aller Museumssammlungen der Stadt.

Das Kellergeschoss bot sich besonders für die Lagerung der Steinskulpturen an, denn sie sind naturgemäß viel schwerer als andere Kunstwerke wie Gemälde oder Gravuren. Da der ursprüngliche Aufzugsschacht erhalten wurde und der neu eingebaute Aufzug größer als ein herkömmlicher ist, können die Werke komfortabel in ein beliebiges Geschoss transportiert werden.

Die Abteilung für Ausstellungsgestaltung des Zentrums wird im Erdgeschoss untergebracht und ihre Mitarbeiter*innen richten sich bereits in ihren neuen Räumlichkeiten ein. Dort befindet sich alles, was für die Herstellung von Ausstellungsmobiliar erforderlich ist, so vor allem eine Schreinerei, eine Schlosserei oder auch ein Video-Atelier. Die Mitarbeiter*innen dieser Serviceabteilung arbeiten im „Hintergrund“: Sie erstellen Schaukästen, Sockel, Rahmen und weitere Elemente, die für eine Ausstellung notwendig sind. Darüber hinaus verwalten sie den Eingang und die Ausleihe von Kunstwerken. (Lesen Sie hierzu auch den Artikel im Journal de la Coop #3, derzeit nur auf Französisch verfügbar). Zuvor war die Abteilung für Ausstellungsgestaltung in einem alten Gebäude der Rue Prechter in Straßburg untergebracht. Es ist die letzte Museumsabteilung ihrer Art, die in Frankreich von der öffentlichen Hand betrieben wird.

Das erste und zweite Obergeschoss beherbergt einen großen Teil der Museumskollektionen, die dort unter idealen Bedingungen verwahrt werden. In den beiden fensterlosen Etagen kann die Lichteinstrahlung auf das Lux genau optimal für die Konservierung der Werke gesteuert werden. Ebenso wird dank einer Lüftungsanlage die relative Luftfeuchtigkeit bei maximal 50 Prozent gehalten und die Temperatur konstant auf 20 Grad geregelt.

Die dritte und oberste Etage ist ein Novum, denn dafür wurde das Dach der ehemaligen Union Sociale ausgebaut. Die zusätzliche Etage mit dem Metall-Sheddach (oder Sägezahndach) erinnert an die Geschichte des Gebäudes. Auf dieser Etage befinden sich nicht nur ein weiterer Teil des Kunstdepots, sondern auch verschiedene Büros und Werkstätten. Dort arbeiten zum Beispiel der für die Inventarisierung verantwortliche Fotograf sowie Restaurateure. Schließlich wird auf dieser Etage ein Raum eingerichtet, in dem Forschern und Wissenschaftlern der Zugang zu den Kunstwerken ermöglicht wird. In Kürze werden mehr als zwanzig Angestellte der Stadt Straßburg oder der Eurometropole – vom Rahmenmacher über den Restaurator bis zum Ausstellungsgestalter und Facility Manager – für verschiedene Bereiche dort tätig sein.

Mediation rund um die Erhaltung der Kunstwerke

Auch wenn das Gebäude vorrangig für die Konservierung und Bearbeitung von Kunstwerken gedacht ist, stand im Zentrum des Projekts der Wunsch, kein undurchsichtiges, nach außen hin abgeschottetes Depot , sondern einen Ort für kulturellen Austausch zu schaffen.

Keine leichte Aufgabe, zumal die technischen Aspekte Vorrang hatten und kein Museum entstehen sollte. Mit dem Ziel, einen Einblick hinter die Kulissen der Museen zu gewähren, hat die Stadt Straßburg ein ganz besonderes Bildungs- und Kulturprojekt aufgebaut, .

Was befindet sich in diesem Gebäude?  Was wird dort gemacht? Was bedeutet Konservierung von Kunstschätzen? Trotz des eingeschränkten Zugangs der Öffentlichkeit sollten diese Fragen beantwortet werden.

Und man hat mehrere Lösungen gefunden. Zunächst werden in den breiten und das Gebäude umgebenden Vitrinen im Erdgeschoss zwei Ausstellungen gezeigt. Die erste Ausstellung, erarbeitet vom Grafikdesignstudio Terrains Vagues und den Architekten von Nouveaux Voisins, erzählt die Geschichte des Unternehmens Coop Alsace und würdigt auf diese Weise die ersten Besitzer des Gebäudes Union Sociale.  In der zweiten Ausstellung, stellen Terrains Vagues gemeinsam mit dem Illustrator Matthias Picard und dem Verlag Éditions 2024 die Berufsbilder rund um die Restaurierung und Konservierung von Kunstwerken vor.

Auch wenn das Gebäude der Union Sociale vor allem der Konservierung dient und kein Ausstellungsort sein soll, entsteht so eine Schnittstelle zwischen Fachleuten und der breiten Öffentlichkeit. Auf dem Platz vor dem Gebäude wird ein Container aufgestellt, der Trait d‘Union (dt.: Bindestrich) getauft wird. Er wird für Bildungs- und Vermittlungszwecke genutzt, denn hier wird gezeigt, was sich im Innern des Gebäudes verbirgt. Schülergruppen erfahren hier, welche Herausforderungen sich denjenigen stellen, die Kunstwerke professionell konservieren und welche Kompetenzen hierfür notwendig sind.

Und danach?

Wie bereits erwähnt, wurde das neue Zentrum für Forschung und Konservierung der Museen der Stadt Straßburg Ende Oktober 2020 schlüsselfertig übergeben. Dennoch können nicht alle sofort in das neue Prachtgebäude einziehen.

Die Abteilung für Ausstellungsgestaltung wird im Erdgeschoss untergebracht und ihre Mitarbeiter*innen richten sich bereits in ihren neuen Räumlichkeiten ein. Anfang 2021 beziehen weitere Kolleg*innen die Büros und Ateliers im dritten Obergeschoss. In der Zwischenzeit wird das Gebäude zahlreichen Tests unterzogen, um sicherzustellen, dass es perfekt funktioniert und die Kunstwerke optimal schützt. Wenn das Gebäude im Frühjahr 2021 fertiggestellt ist, können schließlich auch die Kunstsammlungen der Museen schrittweise von den überall in der Stadt verstreuten Depots in das Coop-Viertel umziehen.


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